Kaiserschnitt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Sectiorate von 10-15 % aller Geburten. In Österreich ist die Kaiserschnittrate bei rund 33 % aller Geburten. In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Kaiserschnitte verdoppelt! Mittlerweile gibt es von mehreren Seiten Bestrebungen die Rate der Schnittentbindungen wieder zu senken: Viele Frauenärzte, Kinderärzte, Hebammen, Kinderkrankenschwestern, Therapeuten, PolitikerInnen, Mütter und Väter sind überzeugt, dass es nicht notwendig ist, jedes 3. Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen. Angesichts der negativen physischen und psychischen Auswirkungen auf Mutter und Kind und angesichts der hohen Kosten für das österreichische Gesundheitssystem und letztendlich für die SteuerzahlerInnen sollte die Schnittentbindung ausschließlich für den Notfall vorbehalten sein!

Die derzeitige Situation der Geburtshilfe in Österreich ist aufgrund der vielen medizinischen Interventionen (künstliche Geburtseinleitungen, Einsatz von PDA, Medikamenten, Schmerzmittel, Saugglocke und Zange, usw.) sehr bedenklich und die explodierende Zahl an Kaiserschnitten bei gleichbleibend niedriger Säuglingssterblichkeit und mehrfach erhöhten Müttersterblichkeit daher verwunderlich!

 

Als Ursachen für den Anstieg der Kaiserschnittrate werden u.a. folgende Faktoren gesehen:

  • Angst der Geburtshelfer vor Gerichtsklagen und Verurteilungen, die die Existenz bedrohen könnten. Gutachter als Henker.
  • höhere Zeit-Leistungseffizienz im Krankenhaus bei geplanten Schnittentbindungen
  • Ärzte beherrschen die einschlägigen geburtsmedizinischen Techniken nicht mehr z.B. Entbindung einer Beckenendlage oder Zwillingsgeburten
  • Hochstufung von „Risikosituationen“ z.B. Zwillingsgeburt, höheres Geburtsgewicht des Babys, Alter der Mutter
  • Frauen haben sich verändert, sind ängstlicher geworden und werden auch weiter verunsichert
  • Frauen haben zuwenig vollständige Informationen über die Nachteile und langjährigen negativen Auswirkungen des Kaiserschnitts für Mutter und Kind
  • großzügiger und leichtfertiger Umgang mit Schmerzmittel (PDA), Schmerzen aushalten ist nicht „in“
  • Ärzte und Hebammen bieten wenig alternative Schmerzlinderung an (Wasser, Massage, Tönen, Bewegung,…).
  • Geringe gesellschaftliche Wertigkeit einer natürlich durchgestandenen Geburt und Wochenbett
  • Prominente Frauen mit Kaiserschnitt sind Meinungsmacherinnen mit Vorbildfunktion. Es entsteht der Eindruck, dass die Sectio ein harmloser Routineeingriff sei.
  • Irreführung der schwangeren Frauen durch dreiste Marketingmaßnahmen (Sectio Soft oder Sanfter Kaiserschnitt ist nicht real!)
  • Erstkontakt mit Hebamme erfolgt zu spät (oft erst im Kreissaal, leider nicht bei der ersten Mutter-Kind-Pass Untersuchung!)
  • Hohe private Kosten für die werdende Mutter, wenn sie eine kontinuierliche Hebammenbetreuung wünscht.
  • Durch die technische Geburtsüberwachung werden schon geringe Normabweichungen der beobachteten Parameter pathologisiert und weitere Schritte eingeleitet.
  • Interventionskaskaden führen oft zu einem ungünstigen Geburtsverlauf und können mit Sectio enden.
  • Die Geburtshilfe wird als Hochrisikomedizin eingestuft, dadurch entwickelt sich eine defensive Vorgehensweise, bei der die juristische Absicherung der Geburtshelfer im Vordergrund steht und nicht die Interessen der gebärenden Frauen und Babys.
  • Es gab noch keine Verurteilung vor Gericht wegen einem nicht notwendigen Kaiserschnitt.
  • Es sind keine Kontraindikationen für eine Sectio definiert.
  • Es gibt keine Kontrollinstanz oder ein Korrektiv für die Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit von durchgeführten Kaiserschnitten.
  • Überarbeitung und Übermüdung von Ärzten führen zu Fehlern und Fehlentscheidungen.
  • Mangelnde Kommunikation zwischen Ärzten und PatientInnen.

 

Lösungswege aus der Kaiserschnitt-Krise:

  • Die körperlichen Grundbedürfnisse der gebärenden Frau nach Ungestörtheit, Unbeobachtetheit und emotionaler Zuwendung werden umfassend respektiert und erfüllt.
  • Schwangere Frauen binden Hebammen frühzeitig in die Schwangerschaftbegleitung ein.
  • Gesunde Frauen mit normaler Schwangerschaft werden ausschließlich von Hebammen betreut und bei Komplikationen wird ein Gynäkologe oder Spital aufgesucht (niederländisches Modell).
  • Werdende Mütter überlegen sich genauer, was der passende Geburtsort und wer der passende Geburtshelfer für sie ist und nehmen sich ihre eigene Hebamme mit ins Spital (Wahlhebammenprojekt). Wie soll meine Geburt ablaufen? Wie möchte ich mich nach der Geburt fühlen?
  • Schwangere Frauen und Paare informieren sich vorher umfassend über die Nachteile einer Sectio für Mutter und Kind! Ratsam ist, 2 bis 3 unabhängige Expertenmeinungen einzuholen und sich Zeit zu lassen für diese Lebensentscheidung.
  • Schwangere Frauen und Paare sind kritisch gegenüber Kaiserschnitt-Vorhersagen in den frühen Monaten der Schwangerschaft (z.B. ist es nicht möglich, eine medizinische Kaiserschnitt-Notwendigkeit in der 12. Schwangerschaftswoche festzustellen!)
  • Hausgeburt attraktiver machen (volle Kostenübernahme durch die Krankenkasse, finanzieller Anreiz für Mütter: Wochengeld wird für 16 Wochen ausgezahlt aufgrund der langfristigen Einsparung von Folgekosten und signifikant besseren Gesundheitszustands von Mutter und Kind im Vergleich zur Schnittentbindung).
  • Abwarten der 2 Wochen-Frist nach errechnetem Geburtstermin bei unauffälliger Schwangerschaft und guter Gesundheit von Mutter und Baby. Manche Babys lassen sich eben Zeit.
  • Angst der Ärzte vor Gerichtsverfahren wegen Geburtsschäden oder unterlassender Kaiserschnitte nimmt ab aufgrund einer grundlegenden Haftungsänderung (siehe skandinavische Modelle).
  • Einführung eines Selbstbehalts bei Wunschkaiserschnitt.
  • Einführung eines Bonus-Malus-Systems für Geburtsklinken und Ärzte.
  • Deckelung der Rückvergütungen von Krankenkassen für Geburtskliniken bei ca. 10 bis 15 % Sectiorate.
  • Verpflichtende Veröffentlichung der Kaiserschnittraten pro Geburtsklinik, Arzt und Hebamme im öffentlichen und privaten Spitalsbereich, sowie freier Praxis.
  • Wenn ein Kaiserschnitt geplant durchgeführt wird, den natürlichen Wehenbeginn abwarten aufgrund des erwiesenen Nutzens für das Kind (Vorbereitung auf das Leben ausserhalb des Mutterleibs, weniger Anpassungsstörungen, Anregung von Stoffwechsel und Durchblutung, Vorbereitung der Atmung, insgesamt besserer Allgemeinzustand, Respektieren des vom Kind ausgewählten Geburtszeitpunkts)
  • Keine geplanten, nicht dringlichen Kaiserschnitte und keine Wunschkaiserschnitte vor der 39. Schwangerschaftswoche: bessere, medizinische Werte des Babys nach der Geburt, wenn es nahe dem erwarteten Geburtstermin entbunden wird (ausgereifter).

 

 

Kaiserschnitt-Gruppe

für Frauen zur Aufarbeitung einer Schnittentbindung mit Judith Raunig www.nach-dem-kaiserschnitt.at

Frauen mit einem Kaiserschnitterlebnis möchten oft die durch diese Geburt ausgelösten Gefühle und Gedanken aufarbeiten. Enttäuschung, Trauer und Schuldgefühle, nicht auf die gewünschte Weise geboren zu haben, Angst vor einem neuerlichen Kaiserschnitt, Neid, Ohnmacht, Versagensängste, und Verunsicherung können in einem geschützten Rahmen verarbeitet werden. Gespräche oder Mütterrunden mit einer Beraterin, Therapeutin oder Hebamme bieten Platz, die eigene Geschichte zu erzählen und mit den anderen Frauen, die Ähnliches erlebt haben, zu teilen. Körperübungen, kreative gestalterische Elemente, Methoden in der Natur und Rituale (auch für zuhause mit dem Kind und/oder Partner) helfen bei der Versöhnung mit einem negativ erlebten Kaiserschnitt. Auch das Baby hat möglicherweise seelische Belastungen zu tragen, daher eignet sich der Besuch beim Babytherapeuten (z.B. mit emotioneller Erste-Hilfe nach Thomas Harms), Cranio-Sakral-Behandlungen oder Osteopathie sehr gut. Es ist nicht von Bedeutung, wie lange die Geburt zurückliegt- ob es einige Monate oder vielleicht Jahre sind.

 

 

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