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Weltgeburtswoche 2011

Wahlmöglichkeiten und Patientenrechte rund um die Geburt, 15-22. Mai 2011 in Wien und NÖ
Um eine gute Entscheidung bezüglich Geburtsort, Geburtshelfer und Geburtsmethode treffen zu können, ist es wichtig, Informationen zu sammeln und alle Wahlmöglichkeiten rund um die Geburt zu kennen. Ebenso stärkt die Kenntnis über Ihre Rechte als schwangere und gebärende Frau im Umgang mit Ärzten, Hebammen und Krankenhauspersonal Ihre Position, um Wünsche und Vorstellungen durchzusetzen. Als werdende Eltern sind Sie Klienten und können die Kompetenzen, den Rat und die Hilfestellung annehmen, haben aber die Möglichkeit, frei zu wählen und zu entscheiden, welchen medizinischen (Routine)Maßnahmen Sie sich oder Ihr Baby unterziehen. Idealerweise sind Sie sich im vorhinein schon im klaren, was Sie wollen und was nicht.

Sonntag, 15. Mai 2011

Wahlmöglichkeiten für meine Geburt mehr lesen...
Informationen und Entscheidungshilfen für den passenden Geburtsort, Geburtshelfer und Geburtsmethode
Uhrzeit: 15-18 Uhr
Ort: Praxis Tania Spalt, Ameisgasse 11, 1140 Wien (im Innenhof rechts)
Kosten: 14 Euro (für Geburtsallianz-Mitglieder 8 Euro) + eine Begleitperson gratis! (Partner, Mutter, Schwester, Freundin)

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Donnerstag, 19. Mai 2011

Meine Geburtsgeschichte - Meine Wunschgeburt mehr lesen...
Welchen Einfluss habe ich auf den Geburtsverlauf?
Uhrzeit: 18.30-21.30 Uhr
Ort: Praxis Tania Spalt, Ameisgasse 11, 1140 Wien (im Innenhof rechts)
Kosten: 14 Euro (für Geburtsallianz-Mitglieder 8 Euro) + eine Begleitperson gratis! (Partner, Mutter, Schwester, Freundin)

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Freitag, 20. Mai 2011

Zeugung, Schwangerschaft und Geburt als Spiegel deiner früheren Leben
Im Zeugungsmoment definiert sich die Lebensaufgabe und es entsteht das Gefühl der Sinnhaftigkeit
Uhrzeit: 16-17.30 Uhr
Ort: Volkshochschule Hietzing, 1130 Wien, Hofwiesengasse 48
Kosten: 5 Euro (für Geburtsallianz-Mitglieder kostenfrei!)

Meine Patientenrechte in der Klinik

Was kann ich ablehnen? Was kann ich mir wünschen?
Uhrzeit: 18-19.30 Uhr
Ort: Volkshochschule Hietzing, 1130 Wien, Hofwiesengasse 48
Kosten: 7 Euro (für Geburtsallianz-Mitglieder 4 Euro)

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Freitag bis Sonntag 20-22. Mai 2011

Kaiserschnitt: gemeinsam Wunden heilen mehr lesen...
Aufarbeitung einer Kaiserschnittgeburt
Ort: Breitenfurt/NÖ
Kurszeiten: Freitag 18-20 Uhr, Samstag 9-21 Uhr, Sonntag 9-15 Uhr
Kosten: 170-240 Euro nach Selbsteinschätzung nach finanziellen Möglichkeiten, plus anteilige Seminarraumkosten: 25 Euro.

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Wenn aus der Geburt eine High-Tech-Operation wird

Bei fast 90 Prozent aller Geburten in der Klinik greifen Ärzte ein. Nicht immer ist das nötig, sagen Hebammen. Und es schadet dem Selbstbewusstsein der Mütter. http://mobil.zeit.de/wissen/gesundheit/2011-04/hebammen-geburt

Wenn Eva Neumann an die Geburt ihres Sohnes zurück denkt, kommen ihr die Tränen: Gut sieben Stunden hatte sie in den Wehen gelegen, als ihr vom Arzt im Kreißsaal ein Kaiserschnitt nahegelegt wurde. Das Baby sei so groß, dass eine Spontangeburt schwierig werden würde, die Gefahr eines schlimmen Dammrisses sei erheblich. Eva Neumann willigte ein – obwohl sie noch im Geburtsvorbereitungskurs auf das Bild, das sie und ihr Mann für die Geburt gemalt hatten, in großen Buchstaben geschrieben hatte "kein Kaiserschnitt!!!". "Schon mein erster Sohn wurde per Kaiserschnitt geholt, weil seine Herztöne schlechter wurden", erklärt sie, "das war für mich traumatisch. Ich konnte ihn nach der Geburt nicht versorgen und habe mich im Grunde wie eine Versagerin gefühlt. Dieses Gefühl ist jetzt wieder da."


Eva Neumann hatte sich wie die meisten Schwangeren eine natürliche Geburt ohne Eingriffe gewünscht. Doch wie die meisten Frauen hat sie die nicht bekommen: Weit unter zehn Prozent der Frauen in Deutschland bringen ihre Kinder ohne medizinische Eingriffe zur Welt. Zu diesem Ergebnis kam Clarissa Schwarz, Professorin für Hebammenkunde an der Hochschule für Gesundheit in Bochum nach der Auswertung eines Forschungsprojekts schon im Jahr 2004. "Damals waren es 6,7 Prozent. Man kann davon ausgehen, dass die Zahlen heute noch geringer sind", sagt sie.

Doch wie kommt es, dass Frauen, deren Wunsch es ist, ihr Kind natürlich zur Welt zu bringen, fast zwangsläufig am Wehentropf und im Extremfall auf dem Operationstisch landen? "Wir sprechen dabei von einer Interventionskaskade, die meist schon bei der Aufnahme im Krankenhaus beginnt", sagt Clarissa Schwarz. Die meisten Frauen kämen aus Unsicherheit zu früh in die Klinik. Anstatt sie nach Hause zu schicken, würden die Kliniken sie dann meist stationär aufnehmen. "Ab diesem Moment geht es vor allem darum, die Geburt so effizient und zeitsparend wie möglich über die Bühne zu bringen. Und wenn einmal in den Geburtsverlauf eingegriffen wurde, folgen fast zwangsläufig weitere Eingriffe", sagt die Wissenschaftlerin.

Wenn Wehenmittel gegeben werden, lösen diese häufig so heftige Wehen aus, dass die Frauen gegen die Schmerzen eine Periduralanästhesie (PDA) bekommen. Doch diese Betäubung entspannt den Mutterleib vollkommen. Die Folge: Das Kind kann sich nicht richtig in den Geburtskanal bewegen. Und wenn es einmal stockt, kommen schnell Saugglocke oder Zange zum Einsatz, was zu bösen Dammrissen führen kann.

Wissenschaftler wissen inzwischen auch, dass Geburtseinleitungen das Risiko für Nachblutungen verdoppeln. Im Extremfall wird die natürliche Geburt ganz abgebrochen: In zehn Prozent der Fälle enden natürlich begonnene Geburten wie im Fall von Eva Neumann mit einer Sectio, einem Kaiserschnitt. Ebenso hoch ist die Rate geplanter Kaiserschnitte. Auch wenn immer wieder vom Trend zum Wunschkaiserschnitt gesprochen wird: Befragungen zeigen, dass weniger als fünf Prozent der Frauen eine Schnittentbindung wollen. High-Tech-Geburten mit maximalem Einsatz von Medizintechnik seien zur Normalität geworden, sagt Clarissa Schwarz. "Für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen, die sich mehrheitlich eine Geburt ohne Eingriffe wünschen, ist das natürlich verheerend."

Doch die meisten Mütter kommen im Kreißsaal nicht mehr auf die Idee, gegen die Technisierung ihrer Geburt zu protestieren. In aller Regel wird ihnen vermittelt, dass die Eingriffe "zur Sicherheit" gemacht werden – obwohl Studien beweisen, dass sich der Zustand der Neugeborenen dadurch nicht verbessert: Seit Jahrzehnten liegt die perinatale Mortalität – also der Anteil der Kinder die tot geboren werden oder bis zum 7. Lebenstag versterben – in Deutschland bei fünf bis sechs Promille. Verbessert haben sich allerdings die Abrechnungsmöglichkeiten der Kliniken. "Das finanzielle Anreizsystem in den Kliniken belohnt Komplikationen", sagt Schwarz. "Und natürlich entscheidet man dann eher für die Methode, mit der man in kürzerer Zeit mehr Geld verdienen kann."

Dazu kommt, dass der Personalschlüssel in den Kreißsälen schlechter wird. Eine Hebamme muss bis zu fünf Geburten betreuen. Für individuelle Zuwendung, die den Frauen die Kraft gibt, auch eine lange Geburt durchzuhalten, ist da kein Raum. Die Hamburger Hebamme Susanne Lohmann hat oft erlebt, dass Frauen durch Personalwechsel während der Geburt verunsichert sind und sich dann allzu oft auf Interventionen einlassen, die das Prozedere beschleunigen sollen. "Wenn ich eine Frau unter der Geburt motivieren soll, brauche ich Ruhe – und die habe ich als Hebamme im heutigen Krankenhausbetrieb nicht mehr." Diese Krankenhausroutine führt dazu, dass die meisten der Eingriffe inzwischen selbst von Hebammen nicht mehr als Interventionen wahrgenommen werden. Das hat die Professorin für Hebammenwissenschaft in Osnabrück, Claudia Hellmers, festgestellt. "Die Cardiotokographie (CTG), eine PDA oder ein Dammschnitt sind im Kreißsaal völlig normal, das hat sich so in den Alltag eingeschlichen."

Ohnehin würden Schwangerschaft und Geburt heute überwiegend als etwas Pathologisches gesehen und entsprechend behandelt. "Der Mutterpass enthält heute 52 Befunde, die angekreuzt werden können. Hiernach wird entschieden und dokumentiert, ob eine Risikoschwangerschaft vorliegt. Diese Befunde sind allerdings nicht gewichtet, so dass die Frauen nicht wissen, wie aussagekräftig dieses Risiko für sie wirklich ist", sagt Claudia Hellmers. "1968 waren es noch zwölf. Und wenn man die Frauen damit verunsichert, werden sie ihre Schwangerschaft fast zwangsläufig als etwas Problematisches empfinden und sich zum vermeintlichen Wohl des Kindes auch zu Eingriffen überreden lassen, die sie so eigentlich gar nicht wollen." Das Risiko ist im Kreißsaal inzwischen etwas ganz Normales.

Bislang fehlen Studien darüber, wie stark die negativen Geburtserfahrungen sich auf die Mutter-Kind-Bindung auswirken oder Wochenbettdepressionen verstärken können. "Aber die Erfahrungen zeigen, dass es für die Frauen Langzeitfolgen hat, wenn die Geburt anders verläuft, als sie es sich gewünscht haben." Auch Eva Neumann quält seit der Geburt ihres Sohnes vor zwölf Wochen wieder und wieder die Frage, ob sie nicht auf ihrem Wunsch hätte beharren sollen. "Vielleicht hätten wir mehr Geduld haben müssen. Ich bin natürlich froh, dass alles gut gegangen ist und ich ein gesundes Kind habe. Aber das Gefühl, es nicht richtig gemacht zu haben, das wird mich wohl mein Leben lang begleiten."
(Quelle: Zeit, 7.4.2011)