Qualitätssicherung

Die Qualität in der Schwangerschaftsvorsorge, in der Geburtshilfe und in der Nachbetreuung haben direkte Auswirkung auf die Zufriedenheit von Mutter und Kind. Insbesondere die persönliche, kontinuierliche und einfühlsame Begleitung gepaart mit fachlicher Kompetenz in dieser Lebensphase sind kennzeichnend für hohe Qualität rund um Geburt.

Um Fehler zu vermeiden oder aus Fehlern zu lernen und Prozesse zu verbessern, sind einige Qualitätsprojekte ins Leben gerufen worden. Wichtig: Eines der Hauptursachen für Fehler und unerwünschte Ereignisse im medizinischen Bereich ist MANGELNDE KOMMUNIKATION zwischen Fachleuten und PatientInnen.

 

IMBCI Internationale MutterBaby Geburtsinitiative

International MotherBaby Childbirth Initiative www.imbci.org
Eine Initiative der INTERNATIONALEN MUTTERBABY GEBURTSORGANISATION (IMBCO) mit namhaften Experten, Geburtshelfern und Therapeuten
* Mutter und Baby bilden während Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit eine untrennbare Einheit und werden nachstehend als MutterBaby bezeichnet.

10 Schritte zur optimalen MutterBaby Geburtshilfe hier lesen oder als PDF runterladen: imbcigerman

GRUNDPRINZIPIEN

  • Die Rechte der Mütter und Kinder sind Menschenrechte.
  • Zugang zu humaner und wirksamer medizinischer Versorgung ist ein grundlegendes Menschenrecht.
  • Mutter und Baby stellen während Schwangerschaft, Geburt und Säuglingszeit eine integrale Einheit dar (hiermit nun als „MutterBaby“ bezeichnet) und sollten auch als solche behandelt werden, da die Behandlung der einen Person die Versorgung der zweiten auf besondere Weise beeinflusst.
  • Schwangerenversorgung und Geburtshilfe sind essentielle Aspekte der medizinischen Versorgung und sollten ausfinanziert sein. Es sollte genügend Personal und Ausstattung vorhanden und für jede Frau frei zugänglich sein, unabhängig von Staatsbürgerschaft und sozialem Status.
  • Respekt gegenüber jeder Frau und die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse sollte die Grundlage der gesamten Schwangerenversorgung und Geburtshilfe sein.
  • Mütter während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett bzw. die Neugeborenen sollten individualisiert versorgt werden. Die Bedürfnisse von MutterBaby sollten gegenüber den Bedürfnissen des Versorgungsteams, der Institutionen und der Pharmaindustrie Vorrang haben.
  • Schwangerschaft, Geburt und Stillen sind normale und gesunde Prozesse, die in den meisten Fällen nur die Aufmerksamkeit und die Unterstützung des medizinischen Personals erfordern. Neueste Erkenntnisse beweisen die Sicherheit und die besseren Ergebnisse dieses Ansatzes.
  • Frauen sollten umfassende, genaue und unparteiliche Informationen auf Basis der besten derzeit erhältlichen Erkenntnisse über Nachteile, Vorteile und Alternativen erhalten, damit sie eine Grundlage für die Findung von Entscheidungen über ihre Versorgung und die Versorgung ihres Babys haben.
  • Geburtspraktiken beeinflussen MutterBaby körperlich und seelisch. Die Zuversicht einer Mutter, die Fähigkeit zu besitzen, ihr Baby auf die Welt zu bringen, zu umsorgen und zu stillen und dass ihr Baby wiederum die Fähigkeit besitzt, an der Brust zu trinken, kann vom Versorgungsteam und vom Umfeld während der Geburt gesteigert oder verringert werden.
  • Jede einzelne Person des Versorgungsteams ist individuell für die Mutter, die Familie und die Gesellschaft verantwortlich und das Gesundheitssystem wiederum für die Qualität des medizinischen Services, den es bietet.
  • Eine die Gesundheit förderliche Atmosphäre zu schaffen, der Mutter zuzuhören, sie in ihrem Selbstausdruck zu unterstützen und ihre Privatsphäre zu respektieren sind grundlegende Aspekte einer optimalen Versorgung rund um die Geburt.
  • Hebammen, die in den meisten Ländern die Hauptperson in der Versorgung von Millionen von gebärenden Frauen sind, haben ein Modell der Versorgung entwickelt, die auf der normalen Physiologie, Soziologie und Psychologie von Schwangerschaft, Wehentätigkeit, Geburt und Wochenbett beruhen. Die Internationale MutterBaby-Geburtsinitiative stützt sich auf das Hebammenversorgungsmodell und betont, dass das Wissen, die Fähigkeiten und das Verhalten der Hebammen für die optimale Versorgung von MutterBaby essentiell sind.
  • Kontinuität in der Versorgung und Sensibilität gegenüber von kulturellen, religiösen und individuellen Glaubenssätze und Werten der Mutter reduzieren das Risiko eines psychologischen Traumas und steigern das Vertrauen der Mutter in das Versorgungsteam, in ihre Geburtserfahrung und ihre Bereitschaft, die Versorgung anzunehmen und Versorgung auch in Zukunft in Anspruch zu nehmen.
  • Wenn es kulturell gesehen angemessen ist, kann die Anwesenheit des Vaters während der Geburt positive Auswirkungen auf die Familie, sein Vatersein und seinen Respekt für die Mutter haben.
  • Viele Frauen können außerhalb des Krankenhauses in Sanatorien, Geburtszentren und zu Hause sicher gebären, wenn qualifizierte Versorgung verfügbar ist und effiziente Überweisungen möglich sind. Frauen, einschließlich jener mit vorausgegangenen Kaiserschnittgeburten, Steißlagegeburten und Zwillingen sollten genauestens über die Vor- und Nachteile einer vaginalen Geburt und eines Kaiserschnitts in den verschiedensten Umgebungen und mit den unterschiedlichsten medizinischen Fachkräften informiert werden.
  • Alle Dienstleistungen rund um die Geburt sollten im Einklang mit dem Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten stehen.
  • Obwohl Notfallsmedizin lebensnotwendig ist, ist sie nicht die einzige Möglichkeit, um die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate von Müttern und Säuglingen zu reduzieren. Diese Probleme müssen durch geeignete Maßnahmen auch an ihrer Wurzel in Angriff genommen werden, um Krankheiten vorzubeugen, Wohlbefinden zu fördern und Frauen zu stärken.

 

 

 

Geburtenregister

Beim Geburtenregister handelt es sich um ein Qualitätsverbesserungsprojekt, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Somit haben werdende Mütter und Väter leider keinerlei Zugriff auf die gesammelten Daten wie Kaiserschnittraten, Dammschnittraten, Anzahl der PDAs oder schwerer Komplikationen, sondern nur die Krankenhaus-Leitung und die Geburtshilfe-Abteilungen. Alle teilnehmenden Krankenhäuser erhalten regelmäßig Tabellen, mit denen die eigenen Qualitätsparameter im geburtshilflichen Bereich mit allen anderen Abteilungen verglichen werden können, ohne den Schutz von Abteilungsdaten zu verletzen. Außerdem werden die wichtigen Parameter jährlich grafisch aufbereitet und erlauben auf diese Weise eine schnelle Orientierung über die Leistung der eigenen Abteilung. Diese Daten sind wesentliche Grundlage für die Einschätzung der Qualität der eigenen Abteilung im Vergleich zu den anderen Abteilungen Österreichs. Die Berichte können auf der Homepage von IET eingesehen werden. Jede geburtshilfliche Abteilung eines österreichischen Krankenhauses sowie Hebammen, die Geburten selbständig betreuen, können am Geburtenregister teilnehmen. Jede teilnehmende geburtshilfliche Abteilung verpflichtet sich, die im Datensatz beschriebenen Informationen für jede Geburt an das zentrale Geburtenregister zu melden.
Institut für klinische Epidemiologie IET der TILAK (Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH), Leiter: Dr. Willi Oberaigner, Innsbruck, www.iet.at

 

Hausgeburtenregister

 

Beim Hausgeburtenregister handelt es sich um ein Qualitätsverbesserungsprojekt, in dem alle außerklinischen Geburten Österreichs, die von Hebammen betreut wurden, dokumentiert werden. In den letzten Jahren konnten ca. ein Viertel der Hausgeburten erfasst werden. Das Hebammengremium bemüht sich weitere niedergelassene Hebammen zur Teilnahme zu gewinnen. Ziel ist es, einen hohen Grad der Vollständigkeit zu erreichen. Mit jeder teilnehmenden Hebamme wird ein Vertrag abgeschlossen, der den Zweck der Datensammlung, den Datenschutz und die Datenauswertung klar beschreibt. Alle teilnehmenden Hebammen erhalten jährlich Tabellen, mit denen die eigenen Qualitätsparameter mit allen anderen Hausgeburten verglichen werden können. Außerdem werden die wichtigen Parameter jährlich grafisch aufbereitet und erlauben auf diese Weise eine schnelle Orientierung über die eigene Leistung. Das österreichische Hebammengremium gibt einen Jahresbericht über die außerklinische Geburtshilfe in Österreich heraus, der einen Überblick über die außerklinische Geburt in Österreich ermöglicht.

 

Schwerwiegende Ereignisse

 

AuOSS – Ein System zur Erhebung von seltenen schwerwiegenden Ereignissen in der Geburtshilfe in Österreich

Hintergrund

Seltene schwerwiegende Ereignisse in der Geburtshilfe sind auf Grund Ihrer Seltenheit immer noch wenig untersucht. Da es sich aber dabei oft um beinahe mütterliche Todesfälle handelt, ist die Befassung mit diesen Ereignissen ein gesundheitspolitisch äußerst relevantes Thema. Studien in diesem Bereich haben nach Erfahrungen in anderen Ländern einen Beitrag zur Verbesserung der Geburtshilfe geführt. Durch ein vor kurzem eingerichtetes internationales Netzwerk (INOSS) ergibt sich die Möglichkeit, seltene schwerwiegende Ereignisse nicht nur in Österreich zu untersuchen, sondern die Daten auch in ein internationales Pooling-Projekt einzubringen und damit durch die höheren Fallzahlen zu einem weiteren Wissensgewinn beizutragen.

Ziel des Projekts und Forschungsfrage

Ziel ist es, ausgewählte seltene schwerwiegende Ereignissen in der Geburtshilfe (im Detail: peripartale Hysterektomie, Plazenta accreta/ increta/ percreta, Uterusruptur, Eklampsie, Fruchtwasserembolie, Lungenembolie, peripartale mütterliche Mortalität und mütterliche Mortalität während der Schwangerschaft) in Österreich vollzählig und vollständig zu dokumentieren, wissenschaftlich fundiert zu analysieren und die Ergebnisse zu publizieren.
Methode

Alle seltenen schwerwiegenden Ereignisse in der Geburtshilfe der obigen Liste werden von Juli 2011 bis Juni 2014 in allen österreichischen Krankenhäusern über ein monatliches Meldesystem erhoben. Eine/Ein wissenschaftliche MitarbeiterIn besucht alle Krankenhäuser zumindest jährlich und dokumentiert die Detaildaten nach einem international validierten Fragebogen. Die Daten werden in eine anonymisierte Datenbank in der Studienzentrale eingegeben. Im Rahmen der Analysen werden die Fälle detailliert charakterisiert (Eigenschaften der Gebärenden, Geburtsparameter, Therapiemuster), die Raten schwerwiegender Ereignisse für Österreich berechnet, mit internationalen Daten verglichen und mögliche Risikofaktoren für schwerwiegende Ereignisse in multivariaten Modellen unter Berücksichtigung von Confoundern ermittelt.

Erwartete Ergebnisse

Es werden für die ausgewählten seltenen Ereignisse in der Geburtshilfe die Inzidenzraten in Österreich berechnet, die Inzidenzraten mit internationalen Raten verglichen, einzelne ausgewählte Ereignisse im Detail auf perinatal relevante Parameter beurteilt und die Ergebnisse allen Geburtshelfern zur Verfügung gestellt, Behandlungsmuster beschrieben, Vergleiche mit nationalen und internationalen Guidelines durchgeführt und gegebenenfalls notwendige Änderungen festgestellt, mögliche Risikofaktoren berechnet und sowohl in einer nationalen als auch in einer internationalen gepoolten Analyse Risikofaktoren ermittelt.
Aus den ermittelten Ergebnissen können nach Projektdurchführung in weiterer Folge Handlungsempfehlungen abgeleitet und Guidelines überarbeitet/ergänzt werden. Damit kann langfristig zu einer verstärkten Bewusstseinsbildung für seltene schwerwiegende Ereignisse in der Geburtshilfe in Österreich und so zu einer besseren Betreuung der Mütter in der Geburtshilfe beigetragen werden.

Wissenschaftlicher Beirat

Für die medizinische Planung und Überwachung des Projektswird ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet. Dem wissenschaftlichenBeirat obliegt die Präzisierung von Definitionen, die Beurteilung derMeldepflicht bei Unklarheit von Definitionen, die regelmäßige Berichterstattungan die Teilnehmer (dabei ist auf einen Kompromiss zwischen Informationsbedürfnisder Projektpartner und kleinen Fallzahlen zu achten) sowie die Einbettung ininternationale Netzwerke, insbesondere INOSS.