Pressetext 18. Mai 2009
Erstmals in Österreich fand dieses Jahr die Weltgeburtswoche statt, organisiert von der GEBURTSALLIANZ ÖSTERREICH, einer neu gegründeten Mütterinitiative zur Förderung einer babyfreundlichen und mütterfreundlichen Geburtshilfe. Ziel dieser Aktionswoche war, über die Gefahren und Risiken der Schnittentbindung für Mutter und Kind aufzuklären und Lösungswege zur Senkung der Sectiorate zu erarbeiten.
Gestartet wurde die Woche mit der Filmvorführung "Orgasmic Birth", eine Filmproduktion von Debra Pascali-Bonaro, USA 2008 (Vorsitzende der International Mother Baby Childbirth Initiative und Gründungsmitglied von DONA International) und anschließender Podiumsdiskussion mit Hebammen, Ärzten und Eltern.
An den darauffolgenden Tagen wurden Informationsabende, Filme und Vorträge zur Mutter-Kind-Bindung, ein Frauengesprächskreis und der Film von Elena Tonetti-Vladimirova, USA 2006 "Birth as we know it" wieder mit anschließender Podiumsdiskussion, angeboten.
Zusatzveranstaltungen wie die Fotoausstellung "Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht" von Dr. Caroline Oblasser und die interaktive Sinnesinstallationen und Ausstellung der Künstlerin Poppy Red rundeten das Angebot ab. Die Veranstaltungen sind sehr erfolgreich verlaufen. Es herrschte reges Interesse und Netzwerken. Viele Frauen nutzten diese Möglichkeit, sich über ihre Wahlmöglichkeiten rund um die Geburt ihres Babys zu informieren.
Die WHO empfiehlt 10-15 % Kaiserschnittrate, wobei wir in Österreich doppelt so hoch liegen (27 %) und in manchen Privatspitälern leider weit über 50 %! Jährlich steigt die Anzahl der Schnittentbindungen, obwohl die Geburten rückläufig sind. Die derzeitige Situation der Geburtshilfe in Österreich ist aufgrund der vielen medizinischen Interventionen (künstliche Geburtseinleitungen, Einsatz von PDA, Medikamenten, Schmerzmittel, Saugglocke und Zange, usw.) sehr bedenklich und die explodierende Zahl an Kaiserschnitten bei gleichbleibend niedriger Säuglingssterblichkeit und 3fach erhöhten Müttersterblichkeit daher verwunderlich!
Als Ursachen für den Anstieg der Kaiserschnittrate werden u.a. folgende Faktoren gesehen:
- höhere Zeit-Leistungseffizienz im Krankenhaus bei geplanten Schnittentbindungen
- Ärzte beherrschen die einschlägigen geburtsmedizinischen Techniken nicht mehr z.B. Entbindung einer Beckenendlage
- Hochstufung von „Risikosituationen“ z.B. Zwillingsgeburt, höheres Geburtsgewicht des Babys
- Frauen haben sich verändert, sind ängstlicher geworden und werden auch weiter verunsichert
- Frauen haben zuwenig vollständige Informationen über die Nachteile und langjährigen negativen Auswirkungen des Kaiserschnitts für Mutter und Kind
- großzügiger Umgang mit Schmerzmittel, Schmerzen aushalten ist nicht „in"
- Ärzte und Hebammen bieten wenig alternative Schmerzlinderung an (Wasser, Massage, Tönen, Bewegung,…).
- Frauen meinen, mit dem Kaiserschnitt könnten sie Schmerzen umgehen und brauchen sich nicht mit der Angst rund um Geburt auseinandersetzen. Ein Wunschkaiserschnitt ist möglicherweise ein Angst-Kaiserschnitt.
- Geringe gesellschaftliche Wertigkeit einer natürlich durchgestandenen Geburt und Wochenbett
- Prominente Frauen mit Kaiserschnitt sind Meinungsmacherinnen mit Vorbildfunktion. Es entsteht der Eindruck, dass die Sectio ein harmloser Routineeingriff sei.
- Irreführung der schwangeren Frauen durch dreiste Marketingmaßnahmen (Sectio Soft ist nicht real!)
- Erstkontakt mit Hebamme erfolgt zu spät (oft erst im Kreissaal, leider nicht bei der ersten Mutter-Kind-Pass Untersuchung!)
- Finanzieller Mehraufwand für die werdende Mutter, wenn sie eine kontinuierliche Hebammenbetreuung wünscht.
- Durch die technische Geburtsüberwachung werden schon geringe Normabweichungen der beobachteten Parameter pathologisiert und weitere Schritte eingeleitet.
- Interventionskaskaden führen oft zu einem ungünstigen Geburtsverlauf und können mit Sectio enden.
- Die Geburtshilfe wird als Hochrisikomedizin eingestuft, dadurch entwickelt sich eine defensive Vorgehensweise, bei der die juristische Absicherung der Geburtshelfer im Vordergrund steht und nicht die Interessen der gebärenden Frauen und Babys.
- Es gab noch keine Verurteilung vor Gericht wegen einem nicht notwendigen Kaiserschnitt.
- Es sind keine Kontraindikationen für eine Sectio definiert.
- Es gibt keine Kontrollinstanz oder ein Korrektiv für die Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit von durchgeführten Kaiserschnitten.
Mit unseren eingeladenen Podiumsgästen, Vortragenden und dem Publikum haben wir mehrere Lösungswege aus der Kaiserschnitt-Krise erarbeitet und fassen diese zusammen.
Mögliche LÖSUNGSWEGE sind:
- Die körperlichen Grundbedürfnisse der gebärenden Frau nach Ungestörtheit, Unbeobachtetheit und emotionaler Zuwendung werden umfassend respektiert und erfüllt.
- Schwangere Frauen binden Hebammen frühzeitig in die Schwangerschaftbegleitung ein.
- Gesunde Frauen mit normaler Schwangerschaft werden ausschließlich von Hebammen betreut und bei Komplikationen wird ein Gynäkologe oder Spital aufgesucht (niederländisches Modell).
- Werdende Mütter überlegen sich genauer, was der passende Geburtsort und wer der passende Geburtshelfer für sie ist und nehmen sich ihre eigene Hebamme mit ins Spital (Wahlhebammenprojekt).
- Schwangere Frauen und Paare informieren sich vorher umfassend über die Nachteile einer Sectio für Mutter und Kind! Ratsam ist, 2 bis 3 unabhängige Expertenmeinungen einzuholen und sich Zeit zu lassen für diese Lebensentscheidung.
- Schwangere Frauen und Paare sind kritisch gegenüber Kaiserschnitt-Vorhersagen in den frühen Monaten der Schwangerschaft (z.B. ist es nicht möglich, eine medizinische Kaiserschnitt-Notwendigkeit in der 12. Schwangerschaftswoche festzustellen!)
- Hausgeburt attraktiver machen (volle Kostenübernahme durch die Krankenkasse, finanzieller Anreiz für Mütter: Wochengeld wird für 16 Wochen ausgezahlt aufgrund der langfristigen Einsparung von Folgekosten und signifikant besseren Gesundheitszustands von Mutter und Kind im Vergleich zur Schnittentbindung).
- Abwarten der 2 Wochen-Frist nach errechnetem Geburtstermin bei unauffälliger Schwangerschaft und guter Gesundheit von Mutter und Baby. Manche Babys lassen sich eben Zeit.
- Angst der Ärzte vor Gerichtsverfahren wegen Geburtsschäden oder unterlassender Kaiserschnitte nimmt ab aufgrund einer grundlegenden Haftungsänderung (siehe skandinavische Modelle).
- Einführung eines Selbstbehalts bei Wunschkaiserschnitt z.B. 70 bis 100 Euro.
- Einführung eines Bonus-Malus-Systems für Geburtsklinken und Ärzte.
- Deckelung der Rückvergütungen von Krankenkassen für Geburtskliniken bei ca. 10 bis 15 % Sectiorate.
- Verpflichtende Veröffentlichung der Kaiserschnittraten pro Geburtsklinik, Arzt und Hebamme im öffentlichen und privaten Spitalsbereich, sowie freier Praxis.
- Wenn ein Kaiserschnitt geplant durchgeführt wird, den natürlichen Wehenbeginn abwarten aufgrund des erwiesenen Nutzens für das Kind (Vorbereitung auf das Leben ausserhalb des Mutterleibs, weniger Anpassungsstörungen, Anregung von Stoffwechsel und Durchblutung, Vorbereitung der Atmung, insgesamt besserer Allgemeinzustand, Respektieren des vom Kind ausgewählten Geburtszeitpunkts)
- Keine geplanten, nicht dringlichen Kaiserschnitte und keine Wunschkaiserschnitte vor der 39. Schwangerschaftswoche: bessere, medizinische Werte des Babys nach der Geburt, wenn es nahe dem erwarteten Geburtstermin entbunden wird (ausgereifter).
Pressetext Ankündigung April 09
WELTGEBURTSWOCHE 2009
KAISERSCHNITT – NOTWENDIGKEIT ODER LIFESTYLE?
Trotz rückläufiger Geburtenrate steigt die Kaiserschnittrate schnell an! Durchschnittlich kommt in Österreich mehr als jedes 4. Kind durch eine große Bauchoperation auf die Welt, in Privatspitälern liegt die Sectio-Rate oft viel höher (50-60 %)! „Diese Vorgehensweise ist sehr bedenklich und bedrohlich für die körperliche und seelische Integrität von Mutter und Kind. Geburt ist ein natürlicher Prozess, der für uns Frauen viel Potential bereithält, wenn wir aus eigener Kraft gebären (dürfen)“, sagt Sylvia S. Sedlak, die Projektleiterin der Weltgeburtswoche 2009 in Österreich und Obfrau der GEBURTSALLIANZ ÖSTERREICH.
Es herrscht ein großer Informationsmangel, denn vielen werdenden Müttern ist nicht klar, welche negativen Konsequenzen die Schnittentbindung für Mutter und Kind hat. „Aus der Arbeit mit Kaiserschnittmüttern geht hervor, dass der Kaiserschnitt oft langfristige, tiefe Spuren hinterlässt und die emotionale Verarbeitung viele Jahre dauert“, bestätigt auch Dr. Caroline Oblasser, Autorin des richtungsweisenden Buches „Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht“.
Die Veranstaltungen und ExpertInnengespräche innerhalb der Weltgeburtwoche vom 9. bis 17. Mai 2009 dienen den schwangeren Frauen und Paaren, zu einer bewussten und informierten Entscheidung in Bezug auf Geburtsort, Geburtsmodus und Geburtshelfer zu kommen. Anstelle eines Kaiserschnittes planen gut informierte werdende Mütter und Väter die meist verletzungsfreie, hebammenbegleitete Spontangeburt. Immer öfter auch in den eigenen vier Wänden - eine Hausgeburt.
Die Mütterinitiative GEBURTSALLIANZ ÖSTERREICH (www.geburtsallianz.at) versteht sich als KonsumentInnenschutzorganisation mit dem Ziel einer babyfreundlichen und mütterfreundlichen Geburtshilfe sowie der Unversehrtheit von Mutter und Kind bei der Geburt. „Der respektvolle Umgang mit den Bedürfnissen des Babys und der Mutter in der sensiblen Zeit der Schwangerschaft, Geburt und frühen Kindheit ist mir ein sehr großes Anliegen“, so die Gründerin und Obfrau Sylvia S. Sedlak. Langjährige Forderungen der Mütter wie z. B. die WAHLFREIHEIT zwischen Hebammen- und Arztbetreuung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes oder eines hebammengeleiteten Geburtshauses für Wien sollen durchgesetzt werden.
Sa, 9.Mai 2009, 18.45-22 Uhr, Filmvorführung ORGASMIC BIRTH (eOmdU) mit Podiumsdiskussion, im Cinemagic Kino, 1010 Wien
Mo, 11.Mai 2009, 18-21 Uhr, Informationsabend Kaiserschnitt, VHS Hietzing, 1130 Wien
Di, 12.Mai 2009, 18-19 Uhr, Filmvorführung MIDWIVES, Topkino, 1060 Wien
Di, 12.Mai 2009, 19-20 Uhr, Filmvorführung BIRTH-MOVE-MENT mit Publikumsdiskussion, Topkino, 1060 Wien
Mi, 13.Mai 2009, 18-21 Uhr, Filmvorführung NÄHE ZULASSEN mit Vortrag Mutter-Kind-Bindung bei Kaiserschnitt, VHS Hietzing, 1130 Wien
Do, 14.Mai 2009, 18-21 Uhr, Frauengesprächskreis „So war mein Kaiserschnitt“, VHS Hietzing, 1130 Wien
Fr, 15.Mai 2009, 18.45-22 Uhr, Filmvorführung BIRTH AS WE KNOW IT mit Podiumsdiskussion, im Cinemagic Kino, 1010 Wien
9.-17.Mai 2009 Fotoausstellung „Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht“ zum Buch von Caroline Oblasser, VHS Hietzing, 1130 Wien
Mehr Details auf www.geburtsallianz.at
Sylvia S. Sedlak
GEBURTSALLIANZ ÖSTERRREICH
Tel. +43-(0)650-41 32 888
info@geburtsallianz.at
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